Vegetative Dystonie – unterschiedliche Krankheitsbilder durch Fehlregulierungen des vegetativen Nervensystems

Vegetative Dystonie – unterschiedliche Krankheitsbilder durch Fehlregulierungen des vegetativen Nervensystems

 

Vegetative Dystonie oder somatoforme Störungen bezeichnen eine Reihe unterschiedlicher Krankheitsbilder, die durch Fehlregulierungen im vegetativen Nervensystem hervorgerufen werden. Das Nervensystem ist erregbarer als im Normalzustand und löst vielfältige Symptome wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Magen-Darm-Probleme oder Krämpfe aus. Patienten, die unter vegetativer Dystonie leiden, reagieren besonders sensibel auf Stressoren und andere Lebenseinflüsse. Lange haben Mediziner die Krankheitsbilder wenig ernst genommen, erst nach eingehender Forschungsarbeit wurden mögliche Ursachen aufgedeckt.

 

Höhere Aktivität von Sympathikus und Parasympathikus

 

Das vegetative Nervensystem ist für die Steuerung autonom ablaufender Körperfunktionen zuständig, wie die Regulierung des Blutdrucks oder die Aktivierung der Schweißdrüsen. Das somatische Nervensystem steuert dagegen die vom Menschen bewusst ausgeführten Bewegungsabläufe oder Wahrnehmungen. Somatisches und vegetatives Nervensystem sind fast immer eng miteinander verbunden und arbeiten zusammen. Das vegetative Nervensystem lässt sich zudem in das sympathische und parasympathische System unterteilen.

 

Das sympathische Nervensystem kann Atmung oder Herzschlag beschleunigen oder den Körper auf Flucht einstellen, das parasympathische Nervensystem sorgt für Regeneration, Schlaf oder Entspannung. Ist die Zusammenarbeit beider Systeme gestört, können Krankheitsbilder auftreten, die als vegetative Dystonie bezeichnet werden. Ist die Aktivität des Sympathikus erhöht, entstehen Krankheitszeichen wie Bluthochdruck, Herzjagen oder Durchfall, bei verstärkter Aktivität des Parasympathikus leiden Betroffene unter niedrigem Blutdruck, Verstopfung oder Kältegefühlen in Händen und Füßen.

 

Die vegetative Dystonie entsteht durch multifaktorale Auslöser und ist nicht auf eine klare Ursache zurückzuführen. Ein geschwächtes Abwehrsystem, genetische Veranlagung, Vorerkrankungen, einschneidende Lebensereignisse, Persönlichkeitsstrukturen, Dauerstress und Überforderung können als Ursachen infrage kommen.

 

Psychische, körperliche und soziale Faktoren

 

Bei der vegetativen Dystonie treten entweder einzelne oder komplexe Symptome auf. Mediziner diagnostizieren somatoforme Störungen häufig, wenn keine klaren Ursachen erkennbar sind, beispielsweise bei Reizdarm, Reizblase, hyperkinetischem Herzsyndrom oder wiederkehrenden Blutdruckschwankungen. Ebenso werden chronische Schmerzen wie bei der Fibromyalgie als funktionelle Syndrome eingeordnet. An der Entstehung einer vegetativen Dystonie können psychische, körperliche und soziale Ursachen beteiligt sein. Da Körper, Geist und Seele in permanentem Wechselspiel zueinander stehen, lösen seelische Belastungen vielfältige körperliche Beschwerden aus. Zu den Auslösern zählen Ängste und Stress, Sorgen und Trauer. Menschen, die unglücklich in ihrem Job sind oder einen Familienangehörigen verloren haben, sind starken seelischen Belastungen ausgesetzt, die zu teils schweren körperlichen Beschwerden wie Atemnot oder starken Magenschmerzen führen können. Weitere vegetative Dystregulationen:

 

– Rückenschmerzen, Herzbeschwerden, Infarktangst, Beklemmungsgefühle

– Gedächtnisstörungen, Reizbarkeit, Unruhezustände

– Kurzatmigkeit, Hyperventilation, Schwindelattacken

– Übelkeit, Blähungen, Magendrücken

– Gelenkschmerzen, Wadenkrämpfe, Muskelzittern

– Gestörte Libido, sexuelle Unlust

– Erschöpfung, Müdigkeit, Überempfindlichkeit gegen äußere Reize

 

Immer noch gilt die vegetative Dystonie als Verlegenheitsdiagnose, wenn Schulmediziner keine Erklärung für die unspezifischen Beschwerden ihrer Patienten finden. Es handelt sich bei den Krankheitsbildern jedoch nicht um eingebildete Symptome. Denn liegt eine Fehlregulierung des Nervensystems vor, gibt es praktisch kein Krankheitsbild, das nicht durch Dysfunktionen ausgelöst werden kann. Patienten sollten sich grundsätzliche an einen Arzt oder Naturheilkundigen wenden, der auf ganzheitliche Behandlungen spezialisiert ist.

 

Diagnose somatoformer Störungen

 

Fehlregulierungen des vegetativen Nervensystems sollten trotz ihrer nicht eindeutig erkennbaren Ursachen ernst genommen werden, denn die Beschwerden sind für Patienten oft sehr beängstigend. Die vegetative Dystonie ist medizinisch nicht klar nachweisbar im Sinne einer definierten Erkrankung, dennoch ist eine sorgfältige Untersuchung des Patienten erforderlich. Der Arzt erhebt zunächst eine Anamnese und erkundigt sich nach Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme, Art und Häufigkeit der Beschwerden, Nikotin- und Alkoholkonsum. Nach der körperlichen Untersuchung mit Blutdruckmessung und Abhorchen der Herz- und Lungengegend erfolgen diverse Bluttests, um eventuelle Entzündungsherde zu lokalisieren, Schilddrüsenfehlfunktionen oder einen Nährstoffmangel auszuschließen. Der weiteren Abklärung dienen EKG (Elektrokardiografie), Urinuntersuchungen, Röntgen, Ultraschalluntersuchungen und andere bildgebende Verfahren. Sind keinerlei körperliche Ursachen zu finden, stuft der Arzt die Beschwerden in der Regel als somatoforme Störung ein.

 

Therapien bei vegetativer Dystonie

 

Welche Therapie zur Behandlung der vegetativen Dystonie eingesetzt wird, hängt von den jeweiligen Krankheitsbildern und deren Ausprägung ab. Die meisten Mediziner empfehlen ihren Patienten zunächst, eine Weile abzuwarten und die Beschwerden zu beobachten, denn viele der Symptome somatoformer Funktionsstörungen verschwinden von selbst wieder. Bei schweren Verläufen, einer Zunahme der Beschwerden und chronischen Schmerzen kann die Verabreichung von Medikamenten sinnvoll sein. Der Arzt kann Schmerzmittel verordnen und/oder Antidepressiva einsetzen. Die Medikation muss immer auf die Beschwerden des Einzelnen abgestimmt sein. Die Krankheitsbilder bei funktionellen Störungen des vegetativen Nervensystems lassen sich mit richtig dosierten Arzneimitteln häufig recht schnell in den Griff bekommen, sollten allerdings nicht dauerhaft angewendet werden.

 

Psychotherapeutische Maßnahmen als Unterstützung

 

Klingen die Beschwerden nach einer Weile nicht ab, rät der behandelnde Arzt in vielen Fällen zu einer Psychotherapie. Der Arzt empfiehlt diese Art Therapie nicht, weil er die Symptome nicht ernst nimmt, sondern als Unterstützung zur Ursachenforschung, denn zahlreiche körperliche Beschwerden werden durch tief liegende Konflikte ausgelöst, die die Seele belasten. Bei der vegetativen Dystonie lassen sich mit Psychotherapien gute Erfolge erzielen. Heute spezialisieren sich immer mehr Psychotherapeuten auf die Behandlung von Funktionsstörungen des vegetativen Nervensystems. In den Sitzungen lernen Patienten, besser mit den Krankheitsbildern umzugehen und die Wurzeln für ihre Beschwerden zu erkennen.

 

Besonders die kognitive Verhaltenstherapie hat sich bei der Behandlung vegetativer Dystonien bewährt. Der Psychotherapeut arbeitet mit dem Patienten Gefühle auf, die ursächlich für die Krankheitszeichen sein können. Mithilfe einer Verhaltenstherapie ist es möglich, Empfindungen wie Hoffnungslosigkeit, Sorgen oder Trauer in andere Bahnen zu leiten, um diese negativen Gefühle verarbeiten zu können. Spüren Patienten, dass sich seelische Belastungen auflösen, tritt auch meistens eine Besserung der körperlichen Beschwerden ein. Oft entsteht die vegetative Dystonie in Zusammenhang mit der Vermeidung bestimmter Situationen. Wer sich unangenehmen Themen nicht stellt, erzeugt auf Dauer einen noch höheren Leidensdruck, der wiederum negative Auswirkungen auf körperlicher Ebene nach sich zieht. Dieser Teufelskreis lässt sich im Zuge einer Gesprächs- und Verhaltenstherapie durchbrechen.

 

Positiver Einfluss durch Sport und Bewegung

 

Bei einer Vielzahl vegetativer Fehlregulierungen haben Sport und Bewegung einen positiven Einfluss. Aktivitäten wie regelmäßige Spaziergänge, Nordic Walking oder leichtes Lauftraining können das Befinden deutlich verbessern. Besonders empfehlenswert sind Meditationsübungen und Entspannungstechniken. Yoga, Thai Chi, Pilates oder progressive Muskelentspannung unterstützen den Heilungsprozess und tragen zu einer positiven Lebenseinstellung bei. Auch Heilpflanzen mit beruhigenden Wirkstoffen wie Baldrian, Hopfen oder Passionsblume lindern Angstzustände und wirken Schlafstörungen entgegen. Bei der Behandlung einer vegetativen Dystonie kommt es letztlich darauf an, intensiv auf den Betroffenen einzugehen, um eine persönlich angepasste Therapie zu entwickeln. Besonders alternativmedizinische Verfahren setzen sich als Behandlungsmethode immer mehr durch.

nervensystem

 

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