Fibromyalgie – rheumatische Erkrankung mit vielfältigen Symptomen

Fibromyalgie äußert sich mit Schmerzen im Muskel- und Bindegewebe und gehört zu den chronischen Erkrankungen. Inzwischen leiden rund zwei Millionen Deutsche an quälenden Faser-Muskel-Schmerzen.

Neben dem typischen Schmerzbild geht die rheumatische Erkrankung bei vielen Betroffenen mit vielfältigen Symptomen einher. Da keine eindeutigen Ursachen als Auslöser erkennbar sind, bezeichnen Mediziner die Krankheit auch als Fibromyalgie-Syndrom oder primäre Fibromyalgie.

Treten die Beschwerden als Folge anderer Erkrankungen wie Infektionen oder Rheuma auf, handelt es sich um eine sekundäre Fibromyalgie. Auch virale Ursachen wie Hepatitiserreger oder HI-Viren gelten als Verstärker, genauso wie Tumorerkrankungen, Übergewicht, psychosomatische Erkrankungen oder Hormonschwankungen.

Frauen erkranken rund neunmal häufiger als Männer. Da meistens keine erkennbaren Veränderungen am Muskeln oder Gelenken diagnostizierbar sind, werden Betroffene oft als Simulanten abgestempelt, manche Mediziner sprechen auch von einer Krankheit ohne Leiden. Eine enorme zusätzliche Belastung, die viele Patienten verzweifeln lässt. Zwar ist die Fibromyalgie bis heute nicht heilbar, dennoch gibt es erfolgreiche Therapiekonzepte, um die Dauerschmerzen deutlich zu lindern.

Moderne Diagnoseverfahren bei einem fachkundigen Arzt

Fibromyalgie ist eine Erkrankung, bei der die Verarbeitung von Schmerzen im Gehirn gestört ist, was zu einer veränderten Schmerzwahrnehmung führt. Es handelt sich nicht um eingebildete Symptome. Oft laufen Fibromyalgie-Betroffene jedoch von Arzt zu Arzt, ohne nennenswerte Hilfe zu bekommen.

Patienten sollten sich deshalb keinesfalls mit der Bemerkung abfinden, die Krankheit sei nur eingebildet. Ein fachkundiger Arzt wie ein Neurologe arbeitet mit modernen Diagnoseverfahren.

Da Fibromyalgie nicht anhand von Blutwerten oder Röntgenbildern eindeutig nachweisbar ist, testet ein erfahrener Mediziner die Schmerzreaktionen über die Tender-Points. Bei diesen Tender-Ponits handelt es sich achtzehn verschiedene Druckpunkte, die sich im Muskel- und Sehnenbereich befinden.

Durch Fingerdruck kann der Arzt die Schmerzempfindlichkeit feststellen. Zudem liefert die Blutsenkungsgeschwindigkeit Hinweise auf Entzündungen im Körper. Ebenso kann ein Kalzium-Überschuss im Blut Gelenkbeschwerden auslösen.

Individuelle Therapiekomponenten im Hinblick auf die Symptomatik

Der Arzt sollte über umfassende Kenntnisse bei der Behandlung von Fibromyalgie verfügen, um individuelle Therapiekomponenten im Hinblick auf die jeweilige Symptomatik und den Lebensstil anzuwenden.

Behandlung mit Medikamenten

Bei etwa 30 Prozent der Betroffenen hat sich die Verordnung von Antidepressiva als hilfreich erwiesen. Diese Arzneimittel wirken Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen entgegen, die oft im Zuge einer Fibromyalgie-Erkrankung auftreten. Analgetika führen bei rund 10 Prozent der Patienten zu einer Besserung der Krankheitszeichen. Medikamente wie Tramadol oder Amitriptylin bewirken häufig eine deutliche Linderung, andere Schmerzmittel zeigen dagegen nur eine geringe Wirkung.

Doppelblindstudien haben ergeben, dass der Rezeptor-Antagonist Serotonin positive Effekte erzielt. Erfolge lassen sich auch mit Kombinationen aus Medikamenten erzielen. Umstritten ist die Quadrantenoperation, bei der verdickte Stellen an den Tender-Points entfernt werden. Einige Ärzte befürworten zwar diese Operationsmethode, doch die meisten Mediziner raten eher ab.

Physikalische und komplementäre Maßnahmen

Wer an Fibromyalgie leidet, reagiert sehr individuell auf Therapien. Physikalische und komplementäre Maßnahmen helfen vielen Betroffenen. Einige Patienten empfinden Kälte als wohltuend, andere bevorzugen Wärmebehandlungen. Als hilfreich haben sich Bewegungstherapien, Bestrahlungen und Fangopackungen erwiesen.

Aber auch auf Stanger-Bäder, Behandlungen mit Reizstrom, Tens-Therapien und Magnetfeldtherapien sprechen viele Betroffene gut an. Oft sind krankengymnastische Übungen empfehlenswert, genauso wie Massagen, Thermalbäder oder Lymphdrainagen. Immer häufiger werden darüber hinaus komplementäre Heilmethoden wie Akupunktur oder orthomolekulare Heilverfahren (Vitamin- und Mineralstoffbehandlung) eingesetzt.

Linderung durch Entspannungstechniken

Bei der Behandlung von Fibromyalgie haben sich Entspannungstechniken als sinnvoll erwiesen. Verfahren, die zu Entspannung führen, lindern häufig auch die Schmerzen. Geeignet für Fibromyalgie-Patienten: Autogenes Training, Qi Gong, Thai-Qi, Yoga und progressive Muskelentspannung nach Jacobsen. Besonders wichtig ist die korrekte Ausführung der Techniken.

In Kursen lernen Teilnehmer die richtige Anwendung von Körperübungen und Atemtechniken, die sich dann auch zu Hause bei ruhiger Musik ausführen lassen. Tipp: Therapeutisches Schreiben führt bei vielen Patienten zu Besserung der Beschwerden. Mit Notizen, welche Situationen im Alltag als besonders stressig empfunden werden, lassen sich belastende Faktoren schneller erkennen und vermeiden.

Mäßiger Ausdauersport unterstützt die Beweglichkeit

Je nach Schwere der Symptome kann mäßiger Ausdauersport die Beweglichkeit von Muskeln und Gelenken unterstützen. Dabei kommt es nicht auf den Einsatz von Kraft an, sondern auf gleichmäßiges Bewegungstraining. Bestehen starke Schmerzen und erhebliche Beeinträchtigungen, kann ein Physiotherapeut bei der Wiedererlangung der Beweglichkeit unterstützen und Patienten langsam an Körperübungen heranführen.

Für Fibromyalgie-Betroffene eignen sich Ausdauersportarten wie Radfahren, Langlauf, Schwimmen oder Wandern. Auch Reha-Sportgruppen sind eine optimale Anlaufstelle, um mehr Beweglichkeit zu erlangen. Trainer stellen die Behandlungen interdisziplinär zusammen, um Muskeln zu lockern, die Koordination zu verbessern, die Gelenke zu stabilisieren und die Durchblutung zu unterstützen.

Psychotherapeutische Begleitung als Hilfe bei der Ursachenforschung

Sinnvoll ist bei zahlreichen Patienten eine psychotherapeutische Begleitung, um die Ursachen der Erkrankung zu erforschen und die Lebenssituation zu verbessern. Gesprächstherapien helfen bei der Verarbeitung negativer Gefühle durch schlechte Erfahrungen. Nach der Diagnose eines Fibromyalgie-Syndroms kommt oft die kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz.

Zusammen mit dem Therapeuten identifizieren Patienten ungünstige Verhaltensweisen und lernen, sie durch positive zu ersetzen. Dadurch lässt sich ein besserer Umgang mit der Krankheit trainieren. Zur Besserung von Beschwerden können auch Hypnotiseure beitragen, die mit bildhaften Vorstellungen arbeiten, um Schmerzzustände zu lindern.

Erleichterung durch Selbsthilfegruppen

In Deutschland gibt es mittlerweile flächendeckend Selbsthilfegruppen für Fibromyalgie-Betroffene. Für viele Patienten ist es wichtig, möglichst umfangreiche Informationen über ihre Erkrankung zu sammeln. Neben Büchern und spezialisierten Foren im Internet ist eine Selbsthilfegruppe eine ideale Anlaufstelle, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und von bisherigen Erfahrungen zu profitieren.

Wer weiß, dass er mit seinen Beschwerden nicht alleine ist und es anderen genauso geht, fühlt sich selbstbewusster und motivierter. Ein guter Weg, um die Krankheit besser zu akzeptieren und neue Therapien kennenzulernen. Auch der Besuch von Schmerzbewältigungsgruppen hat sich als vielversprechend erwiesen.

Erfolge durch multimodale Therapiemethoden

In letzter Zeit werden immer häufiger multimodale Therapiemethoden bei der Behandlung von Fibromyalgie angewendet. Multimodale Konzepte bestehen in der Regel aus einer aktivierenden Maßnahme wie der Bewegungstherapie, die mit einer oder mehreren psychotherapeutischen Behandlungen wie der kognitiven Verhaltenstherapie kombiniert wird.

Neben den klassischen Bewegungs- und Verhaltenstherapien können zum Beispiel Entspannungstechniken. Musiktherapien oder Physiotherapien zum Einsatz kommen. Bei einer Fibromyalgie-Behandlung kommt es immer darauf an, Wege zu finden, die auf individuelle Beschwerden abgestimmt sind.

Ein erfahrener Arzt informiert Patienten eingehend und entwickelt in Zusammenarbeit mit Psychologen und anderen Therapeuten ein geeignetes Behandlungskonzept.

Mit der richtigen Betreuung ist eine deutliche Schmerzlinderung möglich, die Patienten wieder mehr Lebensfreude und Energie schenkt.

Fibromyalgie

Bildquelle: © Spectral-Design – Fotolia.com

 

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