Depressionen und Angststörungen – immer mehr Menschen sind betroffen

Depressionen zählen mittlerweile zu den sogenannten Volkskrankheiten. Immer mehr Menschen erkranken mindestens einmal im Leben an der Schwermut, teilweise mit zusätzlicher Angststörung – viele trifft es sogar häufiger.

Mediziner schlagen Alarm, denn die drastische Zunahme derartiger Erkrankungen sei auch auf stressige Arbeitsalltage zurückzuführen. Von Arbeitnehmern wird immer mehr verlangt, sodass Überstunden und Sonderschichten eher die Regel als die Ausnahme sind. Dazu kommt, dass vor allem Frauen permanenter Doppelbelastungen ausgesetzt sind. Ein Nährboden für psychische Erkrankungen!

Nicht zu vergessen sind jedoch auch genetische Dispositionen. In den meisten Familien sind gleich mehrere Personen depressiv, sodass hier die erbliche Komponente nicht außer Acht gelassen werden darf.

Des Weiteren können Depressionen aufgrund einer Stoffwechselstörung im Gehirn entstehen.

Die vielen Gesichter der Depression

Mit Depressionen verbinden die meisten (nicht betroffenen) Menschen, Traurigkeit, Lethargie und Antriebslosigkeit. Dies ist jedoch nur ein Bild, was depressive Patienten zeigen können.

Psychotherapeuten und Neurologen wissen, dass es eine ganze Reihe von Beschwerdebildern geben kann, die am Ende den Rückschluss auf eine Depression zulassen.
So sind beispielsweise multiple Beschwerden häufig ein Indiz für eine Depression, Geschichtsabnahme bzw. eine deutliche Gewichtszunahme. Auch Schlafstörungen kennzeichnen eine Depression sowie diffuse Ängste.

Depressive Menschen leiden stark

Bevor Mediziner die Diagnose Depression oder Angststörung diagnostizieren, vergehen häufig viele Jahre. Da sich kaum jemand näher mit diesem Thema beschäftigt, werden einige Symptome nicht der Depression zugeordnet. So werden dann zunächst Allgemeinmediziner und Fachärzte aufgesucht, bis der Patient am Ende bei einem Psychiater oder Neurologen landet.

Wer unter Depressionen leidet, kann seinen Alltag kaum mehr bewältigen. Das Aufstehen fällt schwer und Arbeitsanforderungen können nicht umgesetzt werden. Da viele Patienten auch an Schlafstörungen leiden, fühlen sie sich auch körperlich sehr schlecht, was die Depression verstärkt.

Viele Depressionen kommen mit Beschwerden, wie Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Grübeln, Gedankenkreisen, bleierne Müdigkeit und Antriebslosigkeit daher. Doch auch Kopfschmerzen, Mundtrockenheit oder Mundbrennen, Magenbeschwerden, Verstopfungen, Herz-Kreislauf-Störungen (Herzrasen/Herzstolpern) und Schwindel können auf eine Depression hindeuten. Ein geschulter Arzt wird schnell erkennen, ob die Beschwerden organischer oder psychischer Natur sind – meist reicht ein Blick auf den Patienten. Nichtsdestotrotz sollten jedoch andere körperliche Gründe ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose Depressionen gestellt wird.

Angststörungen und ihre vielen Gesichter

Auch Patienten mit Angststörungen sind immer häufiger in den Arztpraxen anzutreffen. Wer unter Angststörungen leidet, ist meist noch schlimmer in seinem Alltag eingeschränkt, denn je nach Schwere der Erkrankungen sind die Patienten nicht mehr in der Lage, aktiv am aushäusigen Leben teilzunehmen.

Angststörungen treten häufig in Kombination zu der Depression auf. Nur ist nicht immer schnell zu erkennen, was zuerst da war, die Angst oder die Schwermut. Wer unter Ängsten leidet, der wird sehr schnell auch den Spaß am Leben verlieren und sich in den eigenen vier Wänden einigeln. Dies wiederum kann in die zusätzliche Depression münden. Oftmals ist es jedoch auch so, dass Ängste und Depressionen gleichzeitig aufgrund einer Stoffwechselstörung oder durch die genetische Vorbelastung entstehen.

Angststörungen – für Außenstehende kaum zu verstehen

Charakteristisches Merkmal einer Angststörung ist immer, dass sie für Außenstehende (gesunde Menschen) nicht nachvollziehbar sind. Wer kann schon verstehen, warum jemand Angst davor hat, Bus oder Bahn zu fahren, sich in Konzertsälen aufzuhalten oder aber permanent der Ansicht ist, kurz vor dem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu stehen?

Die Medizin hat für all diese Angststörungen spezielle Namen. Wer Angst vor engen Räumen und Menschenansammlungen hat, leider unter der Agoraphobie, wer den Infarkt befürchtet, hat eine Herzneurose oder ist Hypochonder, wer größte Qualen im Erbrechen sieht, leidet unter der Emetophobie.

Die Scham vor dem Besuch beim Psychiater

Angstpatienten oder Menschen mit Depressionen versuchen in der Regel, ihre Krankheit, sofern sie überhaupt wissen, was sie haben, unter dem Deckmäntelchen der Verschwiegenheit zu halten. Verständlich: Wer behauptet schon gerne von sich, dass er psychisch krank ist?

Auch unsere Gesellschaft scheint keinen Raum für psychisch Kranke bereitzuhalten. Wer mit der Diagnose Depression oder Angststörung an die Öffentlichkeit geht, bekommt schnell attestiert, dass er vor allem beruflich nicht belastbar ist. Dies ist jedoch ganz fatal für Betroffene, da sie nirgendwo auf Verständnis hoffen können und vielfach sogar ausgeschlossen werden. Im Berufsleben kann solch eine Erkrankung die Entlassung bedeuten – natürlich aufgrund vermeintlich anderer Gründe, wie die unternehmerische Gesamtsituation.
Der Weg zum Psychiater, Psychologen oder Neurologen fällt daher besonders schwer. Nun lässt sich auch vor dem eigenen Angesicht nicht verheimlichen, dass man irgendwie nicht klarkommt im Leben. Die Scham ist groß, sich eingestehen zu müssen, dass die Leiden selbst nicht in den Griff zu bekommen sind, dass die Qual unsäglich ist und dass nur noch Hilfe von außen kommen kann.

Therapiemethoden bei Depressionen

Depressive Phasen kennt wohl jeder von uns. Das Wetter ist trüb, die Stimmung mies. Geldsorgen drücken, die Arbeit macht keinen Spaß und auch mit dem Partner läuft nicht alles zur Zufriedenheit. Doch hierbei handelt es sich in nur den wenigsten Fällen um eine echte Depression – winkt beispielsweise ein Lottogewinn oder der Partner ändert sein Verhalten um 180 Grad, so ist die depressive Phase schnell vergessen.

Anders bei echten Depressionen. Hier gibt es kein Entkommen und hier kann auch ein Lottogewinn nicht zu einer anderen Gemütsverfassung hinleiten – eine kurze Freude allenfalls, die jedoch nicht lange währt.

Depressionen gehören immer in ärztliche Behandlung! Kaum ein Patient kommt aus dieser Krankheit selbst wieder hinaus! Und warum leiden, wenn es sich um eine Krankheit handelt, die gute Heilungschancen verspricht?

Die Selbstmordrate ist bei depressiven Patienten deutlich höher als bei Patienten mit anderen Erkrankungen. Bestes Beispiel: der Fußballprofi Robert Enke, der sein Leiden zeitlebens verheimlich hat, keine Chance auf Besserung sah und sein Leben dann selbst beendet hat.

Doch so dramatisch Depressionen auch sein mögen, die Heilungschancen sind hier ganz erheblich – sofern sich der Patient in ärztliche Obhut begibt.
In ganz akuten Phasen wird der Facharzt in der Regel ein Antidepressivum verschreiben. Antidepressiva sind die Mittel, mit denen es den meisten Erkrankten überhaupt erst möglich ist, weitere Schritte in Angriff zu nehmen – beispielsweise eine Psychotherapie.

Viele Patienten sträuben sich jedoch, solche Medikamente einzunehmen, weil sie Angst haben. Angst vor einer Abhängigkeit, Angst vor einer Wesensveränderung, vor dem Dahindämmern oder gar, weil sie immer noch nicht wahrhaben wollen, dass sie an einer ernst zu nehmenden Erkrankung leiden.

Die Wirkung von Antidepressiva

Zunächst muss gesagt werden, dass Antidepressiva nicht abhängig machen! Antidepressiva greifen in den Gehirnstoffwechsel ein und regulieren dort die Botenstoffe Serotonin und Dopamin. Davon merkt der Patient jedoch nichts, da mit dem Medikament erreicht wird, dass die Botenstoffe nun in genau so großer Anzahl vorhanden sind, wie bei gesunden Menschen.

Doch Antidepressiva wirken meist nicht sofort, was einige Patienten dazu veranlasst, das verordnete Medikament schon nach kurzer Zeit wieder abzusetzen. Das sollte man bitte nicht tun, denn Antidepressiva wirken häufig erst nach mehreren Wochen.

Ziel einer Medikation mit Antidepressiva ist es, eine stimmungsaufhellende Wirkung beim Patienten zu erzielen. Bevor diese Wirkung jedoch eintritt, muss sich das Gehirn an das Medikament gewöhnen. Daher ist es nicht unüblich, dass es zunächst zu Nebenwirkungen, wie Müdigkeit, Mundtrockenheit oder Unruhe, kommt. Diese lassen meist aber schnell nach und diese Beschwerden wechseln in den eigentlichen Bereich: das Nachlassen der Symptome, wie Antriebslosigkeit, Traurigkeit, Grübelzwang etc.

Da es zahlreiche Antidepressiva gibt, müssen Patienten mit ihrem Arzt ausprobieren, welches Medikament die besten Erfolge aufzeigt. Diese Phase dauert manchmal ein wenig, sollte aber unbedingt durchlaufen werden!

Antidepressiva der neuesten Generation sorgen auch nicht dafür, dass Patienten den ganzen Tag vor sich hindämmern. Diese Angst kann den Patienten genommen werden, denn Fachärzte werden dem Patienten ein Dosierungsplan in die Hand geben, der solche Fälle ausschließt.
Merke: Im ambulanten Bereich gibt es eine Obergrenze der Medikation!

Das Absetzen von Antidepressiva

Ist die Depression überwunden bzw. nur noch gering vorhanden, so setzen viele Patienten ihre Medikamente einfach von heute auf morgen ab. Doch Vorsicht! Obwohl Antidepressiva nicht abhängig machen, so müssen sie doch „ausgeschlichen“ werden. D. h., die Dosis muss über mehrere Wochen verringert werden, damit sich das Gehirn umstellen kann. Wer dies nicht tut, riskiert Unpässlichkeiten und ev. ernst zu nehmende körperliche Störungen.

Die Behandlung von Angststörungen

Auch Angststörungen werden häufig mit Antidepressiva behandelt. Da viele Patienten unter einer gleichzeitigen Depression leiden, sind Antidepressiva, die eine Angst lösende Wirkung haben, hier das Mittel der Wahl.

Doch auch die Psychotherapie hat sich bei der Bewältigung einer Angsterkrankung bewährt. Hier kommt vor allem die Konfrontationstherapie infrage, bei der sich der Patient seinen Ängsten stellen soll.

In der Christoph-Dornier-Klinik in Essen beispielsweise sollen Patienten lernen, wie sie sich in einer Angst machenden Situation verhalten können. Hier bekommen die Patienten auch Therapeuten an die Hand, die sie in den jeweiligen Situationen unterstützen, Hilfestellung geben und gemeinsam mit dem Patienten darauf hin arbeiten, dass Ängste keine Lebensbedrohung darstellen.

Was die Konfrontationstherapie ausmacht, ist, dass sich bei den Patienten ein „Gewöhnungseffekt“ ausbreitet. Das bedeutet, dass, wenn Angst machende Situationen immer wieder gesucht werden, und der Patient so lange in der Situation bleibt, bis die Angst nachlässt, eine Verbesserung unumgänglich wird. Das braucht natürlich Zeit und immer wieder Übung. Wichtig ist jedoch, dass der Patient aus seinem Vermeidungsverhalten herauskommt und sich seinen Ängsten gezielt stellt.

Was Familienmitglieder tun können

Depressionen und Angststörungen betreffen meist die gesamte Familie. Haben Vater oder Mutter Depressionen oder sind von Ängsten geplagt, so müssen sich alle, der Partner und auch die Kinder, auf den Erkrankten einstellen – nicht immer ganz einfach.

Viele Depressive liegen den ganzen Tag im Bett, nehmen die Körperpflege nicht mehr wahr, geschweige denn, dass man mit ihnen noch Urlaubsreisen, Konzertbesuche oder Ausflüge in den Zoo planen kann. Doch man sollte sich nicht dazu verleiten lassen zu sagen: Reiß Dich doch mal zusammen. Dies würde dem Patienten keinesfalls helfen, da er einfach nicht anders kann. Besser sind da Ermutigungen zu kleinen Aktivitäten, wie beispielsweise zu einem gemeinsamen Spaziergang. Familienmitglieder sollten allerdings nicht enttäuscht sein, wenn der Patient alles ablehnt, weil er sich dazu nicht in der Lage fühlt.

Wichtig ist natürlich auch, dass ärztliche Hilfe in Anspruch genommen wird. Hier sollte man gezielt drängen und immer wieder darauf hinweisen, dass Depressionen heilbar sind!

Bei Patienten mit Angsterkrankungen ist es für Angehörige jedoch nicht minder schwer. Auch hier ist ein normales Leben oftmals nicht mehr möglich, da der Patient ein Vermeidungsverhalten entwickelt hat, aus dem er nicht mehr heraus kann. Auch hier sollte unbedingt darauf hin gearbeitet werden, dass der Patient sich ärztliche Hilfe holt.
In vielen Haushalten, in denen ein an Angst Erkrankter lebt, muss der Partner den gesamten Haushalt und alle anfallenden Arbeiten selbst erledigen, da der Patient sich weigert / nicht kann. Es ist nicht unüblich, dass die Patienten nicht mehr mit der Bahn zur Arbeit fahren, sich häufig krankschreiben lassen, kein Einkaufszentrum mehr besuchen, nicht mit den Kindern zu Arzt gehen, geschweige denn an Ausflügen teilnehmen oder Besuche bei Freunden und Verwandten wahrnehmen.

Falsch ist es jedoch, dem Patienten alle Arbeiten abzunehmen, da dies seinem Vermeidungsverhalten nur noch entgegenkommt. Besser wäre es da, beispielsweise einfach mal zu sagen: Wenn Du heute nichts einkaufst, haben wir heute kein Abendbrot.

Merke: Vermeidungsverhalten führt nie zu einer Verbesserung der Angsterkrankung! Im Gegenteil: Meist kommen noch weitere Ängste dazu, sodass der Patient am Ende das Haus/oder gar das Bett nicht mehr verlassen wird. Immer sollte jedoch auch ein Facharzt konsultiert werden.

Tipps zur Vorbeugung

Obwohl es auch genetische Dispositionen bei Depressionen und Angststörungen gibt und obwohl auch ein plötzlicher Verlust eines nahen Angehörigen in eine Depression münden kann, sind es vielfach einfach Stress und Überlastung, die der menschliche Körper mit dem Ausbruch von Ängsten und Depressionen quittiert. Während der eine ein Magengeschwür bekommt, leidet der andere unter Angst und Panikattacken. Der Körper signalisiert hiermit ganz klar, dass es Situationen gibt, die so nicht dauerhaft fortgeführt werden können.
Ein gesundes Maß zwischen Arbeit und Entspannung ist wichtig, damit auch die Psyche des Menschen gesund bleiben kann. Heutzutage lautet die Diagnose zwar häufig Burn-out, jedoch sind viele Symptome dieser Krankheit auch mit der Depression verbunden. Es geht einfach nichts mehr – die Psyche ist überfordert!

Darüber hinaus ist es wichtig, auch auf die Ernährung zu achten. Wer nur Fast Food zu sich nimmt, sorgt unter Umständen dafür, dass Mangelerscheinungen auftreten, die zu Depressionen führen. Ein Vitamin B Mangel beispielsweise kann in eine Depression münden. Daher ist angeraten, dass die Ernährung abwechslungsreich ist und dass auch das Nervenkostüm hier nicht zu kurz kommt.

© Jürgen Fälchle – Fotolia.com

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